14. September 2026

Neudefinition der Safaribranche

Ein Jahrzent Natural Selection

Vor zehn Jahren gründeten vier Freunde und erfahrene Naturschützer Natural Selection mit einer ungewöhnlichen Idee: Ein Safari-Unternehmen sollte wirtschaftlich erfolgreich sein und zugleich den Schutz von Natur und lokalen Gemeinschaften dauerhaft finanzieren. Dave van Smeerdijk, Jennifer Lalley, Colin Bell und James Ramsay brachten gemeinsam mehr als ein Jahrhundert Erfahrung aus den Wildnisgebieten des südlichen Afrikas mit. Zehn Jahre später zeigt sich eindrucksvoll, welche Wirkung dieses Engagement entfaltet hat.

Das Safariunternehmen Natural Selection war ursprünglich als gemeinnützige Organisation geplant. Die vier Gründer Dave van Smeerdijk, Jennifer Lalley, Colin Bell und James Ramsay kamen jedoch zu dem Schluss, dass ein kommerziell erfolgreiches Safari-Unternehmen langfristig eine größere Wirkung erzielen könnte. Deshalb wurde der Naturschutz von Beginn an als fester Bestandteil des Geschäftsmodells verankert. Heute betreibt Natural Selection mehr als 30 nachhaltige Camps und Lodges in Botswana, Namibia und Südafrika, ist für rund 1,6 Millionen Hektar Wildtiergebiet mitverantwortlich und arbeitet mit über 40 Gemeinden zusammen.

Seit der ersten Buchung werden 1,5 Prozent des Umsatzes einer unabhängigen gemeinnützigen Naturschutzorganisation zugewiesen. Die Mittel werden vom Natural Selection Conservation Trust verwaltet. Projektanträge werden von einem Gremium aus Umweltschutzwissenschaftlern geprüft, größere Anträge zusätzlich unabhängig begutachtet. 2022 kam mit der „Community, Conservation and Reserve“-Gebühr, kurz CCR, ein zweiter Finanzierungsmechanismus hinzu. Die pro Gast und Übernachtung erhobene Gebühr unterstützt Naturschutz- und Gemeinschaftsprojekte und soll gewährleisten, dass langfristige Programme auch bei schwankender Auslastung weitergeführt werden können. Seit 2016 hat Natural Selection mehr als 4,5 Millionen US-Dollar für Naturschutz und Gemeinschaftsprojekte bereitgestellt. Rund 85 Prozent davon wurden in den vergangenen fünf Jahren ausgezahlt. Mehr als 150 Initiativen in Botswana, Namibia und Südafrika wurden unterstützt, darunter 22 langfristige Programme. Über Projekte, bei denen Natural Selection Haupt- oder Umsetzungspartner ist, wurden mehr als 50.000 Menschen direkt erreicht. Bis Ende 2026 will das Unternehmen jährlich mindestens eine Million US-Dollar aus den eigenen Einnahmen für den Naturschutz bereitstellen. Werden die CCR-Gebühren der Gäste hinzugerechnet, ist diese Marke bereits überschritten.

„Unser Ziel war es von Anfang an, ein Unternehmen aufzubauen, das wichtige Naturschutzarbeit nachhaltig finanzieren und jährliche Beiträge von einer Million US-Dollar oder mehr aus unserem Geschäft erzielen kann“, sagt Mitgründer Dave van Smeerdijk. Weil der Naturschutzbeitrag als Prozentsatz des Umsatzes berechnet wird, wächst er automatisch mit dem Unternehmen. Wie dieses Prinzip praktisch funktioniert, zeigt das im Mai 2026 eröffnete Camp Nkasa Linyanti im Nkasa-Rupara-Nationalpark in Namibia. Der Park liegt im grenzüberschreitenden Kavango-Zambezi-Schutzgebiet und war lange unterfinanziert und unzureichend geschützt. „Nkasa Linyanti spielt eine entscheidende Rolle im Park“, sagt Mitgründerin Dr. Jennifer Lalley. Durch Fahrzeuge für Parkleitung und Ranger sowie die Präsenz vor Ort habe das Camp bereits dazu beigetragen, illegale Jagdaktivitäten zu reduzieren. Gleichzeitig entstehen Arbeitsplätze und wirtschaftliche Vorteile für die umliegenden Gemeinden.

Die Einbindung der lokalen Bevölkerung ist ein zentraler Bestandteil des Modells. Natural Selection beschäftigt rund 1.300 Menschen. 95 Prozent des Lodge-Personals stammen aus dem weiteren Umfeld der Schutzgebiete, rund 70 Prozent direkt aus Dörfern in unmittelbarer Nähe der Camps und Lodges. Viele Projekte setzen dort an, wo das Zusammenleben von Menschen und Wildtieren besondere Herausforderungen mit sich bringt. Ein Beispiel ist der „Elephant Express“ im nördlichen Okavango-Delta in Botswana. Gemeinsam mit EcoExist und dem Okavango Community Trust unterstützt Natural Selection drei Busse, die auf Routen entlang bekannter Elefantenwanderwege verkehren und Kinder sicher zur Schule bringen. Das Programm hat nicht nur die Erreichbarkeit von Schulen und die schulischen Leistungen verbessert, sondern dient auch als Transportmittel für Ärzte und Hebammen in abgelegene Dörfer.

Die Wurzeln dieser Naturschutzarbeit reichen weit vor die Gründung von Natural Selection zurück. Jennifer Lalley und Dave van Smeerdijk arbeiteten bereits viele Jahre mit dem Save the Rhino Trust in Namibia zusammen. 2003 waren sie am Aufbau des Desert Rhino Camp beteiligt, das Tourismus, Nashornforschung und Artenschutz miteinander verband. Der Nordwesten Namibias beherbergt heute die weltweit größte freilebende Population wüstenangepasster Spitzmaulnashörner. Die über Jahrzehnte aufgebauten Partnerschaften zwischen Gemeinden, Naturschutzorganisationen und Tourismusunternehmen bilden inzwischen auch die Grundlage für Programme zur Erweiterung ihres Verbreitungsgebiets. Neben dem Artenschutz investiert Natural Selection in Bildung und wirtschaftliche Perspektiven. In mehreren Gemeinden wurden Zentren für frühkindliche Förderung eingerichtet. Eine Partnerschaft mit UNICEF soll weitere Einrichtungen in Botswana ermöglichen. Naturschutzprogramme an Dorfschulen erreichen jährlich mehr als 15.000 Kinder. In den Mmogo-Handwerkszentren in Moreomaoto, Shorobe und Khwai werden Frauen dabei unterstützt, mit lokal hergestelltem Kunsthandwerk ein eigenes Einkommen aufzubauen. So sollen wirtschaftliche Perspektiven und der Erhalt der Landschaften miteinander verbunden werden.

Auch bei den Gästen beobachtet das Unternehmen einen Wandel. Immer mehr Reisende informierten sich vor ihrer Buchung über regenerativen und verantwortungsvollen Tourismus, sagt Dave van Smeerdijk. Die Camps arbeiten unter anderem mit Solarenergie, sorgfältiger Abfallwirtschaft und dem Ziel, ihren ökologischen Fußabdruck gering zu halten. „Eine Reise in ein Wildtiergebiet, insbesondere in Afrika, sollte gut recherchiert werden, um sicherzustellen, dass die Reise mehr gibt, als sie nimmt“, sagt Dave. Reisende sollten Veranstalter nach ihrem Engagement für Naturschutz und lokale Gemeinschaften sowie nach konkreten Nachweisen fragen.

Nach zehn Jahren beschäftigt die Gründer vor allem die Frage, wie sich Natural Selection weiterentwickeln lässt, ohne das ursprüngliche Prinzip zu verwässern. „Das Wirkungsmodell ist Teil des Geschäftsmodells“, sagt Dave. „Das wird sich also niemals ändern.“ Neue Projekte müssen deshalb sowohl einen nachweisbaren Wert für den Naturschutz haben als auch wirtschaftlich tragfähig sein. Gleichzeitig setzt Natural Selection auf langfristige Partner und kontinuierliche Arbeit vor Ort. Eine Safari soll für die Gäste dennoch vor allem ein besonderer Urlaub bleiben – sicher, erfüllend und unterhaltsam, verbunden mit der Möglichkeit, Natur, Kultur, Gemeinschaft und Naturschutz intensiver kennenzulernen.

Als Natural Selection vor zehn Jahren gegründet wurde, wollten die Gründer zeigen, dass wirtschaftlicher Erfolg und Naturschutz keine konkurrierenden Ziele sein müssen. Mehr als 30 Camps und Lodges, 1,6 Millionen Hektar Wildtiergebiet, über 150 unterstützte Initiativen und mehr als 4,5 Millionen US-Dollar für Naturschutz und Gemeinschaftsarbeit später ist aus dieser Idee ein skalierbares Geschäftsmodell geworden.

Weitere Informationen unter naturalselection.travel und im Impact Report.

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